Sage vom...
Grünhütl und Spitzhütl
In alter Zeit fuhr von Lassing auf der Erzstraße gegen Hollenstein ein Schwerfurhwerk. Eines Tages trat dem Fuhrmann ein grüngekleidetes Männlein mit einem grünen Hut in den Weg und sagte: „Wenn du nach Hollenstein fährst, dann bleibst bei der Zwieselbruck, wo es in die Seeau geht, stehen und schreist hinauf in die Steinwand: Grünhütl lässt das Spitzhütl schön grüßen und es soll übermorgen bestimmt zur Leich kommen, es ist ein Hammerschmied gestorben: und bei der Zwieselbruck findest du deinen Lohn.“ Sprach´s und war verschwunden. Der Fuhrmann trieb seine Pferde an und als er an rauchenden Wildwassern vorbei das Gemäuer bei der Zwieselbruck erreicht hatte, bekreuzigte er sich und schrie mit Leibeskräften in die Steinwände des Gamssteins hinauf, was ihm das Männlein angesagt hatte. Es war inzwischen mauerfinstere Nacht geworden und schaurig hallte das Echo in den Wänden. Als er zum Wagen gehen wollte, stieß er mit dem Fuß an einen Topf, der am Wege stand. Er griff hinein und fand diese voll verrosteten Hufnägel. Weil ein Fuhrmann diese immer brauchen kann, nahm er eine Handvoll und steckte sie in seinen Rock. Wie er so dahinfuhr, spürte er, wie die Tasche immer schwerer wurde. Er griff hinein und sah im Mondlicht funkelnde Dukaten in seiner Hand. Jetzt ärgerte er sich, dass er nicht alle Hufnägel mitgenommen hatte, wendete sein Gespann und fuhr zur Zwieselbruck zurück. Wie er sich auch mühte und suchte, die Hufnägel blieben verschwunden und auch die Luftschlösser, die er sich unterwegs gebaut hatte.